Deutsche Volkslieder

Mit dem Pfeil, dem Bogen

Wie im Reich der Lüfte
König ist der Weih,
So im Reich der Klüfte
Herrscht der Schütze frei.
Lalala, lalala...

Ihm gehört die Weite:
Was sein Pfeil erreicht,
Das ist seine Beute,
Was da kreucht und fleucht.
Lalala, lalala...

(Text: Friedrich von Schiller aus "Wilhelm Tell", Melodie: Bernhard Anselm Weber (1766 - 1821)

Melodie

Der grimmig Tod

Der grimmig Tod mit seinem Pfeil
Tut nach dem Leben zielen,
Sein Bogen schießt er ab mit Eil
Und läßt mit sich nit spielen;
Das Leben schwind't
Wie Rauch im Wind,
Kein Fleisch mag ihm entrinnen,
Kein Gut noch Schatz
Beim Tod find't Platz:
Du mußt mit ihm von hinnen.

Kein Mensch auf Erd uns sagen kann,
Wann wir von hinnen müssen,
Wann kommt der Tod und klopfet an,
So muß man ihm aufschließen.
Er nimmt mit G'walt
Hin Jung und Alt,
Tut sich vor niemand scheuen:
Des Königs Stab
Bricht er bald ab
Und führt ihn an, den Reihen.

Vielleicht ist heut der letzte Tag
Den du noch hast zu leben;
O Mensch veracht' nicht was ich sag:
Nach Tugend sollst du streben!
Wie mancher Mann
Wird müssen dran,
So hofft noch viel der Jahren,
Und muß doch heint,
Weil d'Sonn noch scheint,
Zur Höll hinunter fahren.

Der dieses Liedlein hat gemacht,
Von neuem hat gesungen,
Der hat gar oft den Tod betracht,
Und letztlich mit ihm g'rungen.
Liegt jetzt im Hohl,
Es tut ihm wohl,
Tief in der Erd verborgen.
Sieh auf dein Sach,
Du mußt hernach,
Es sei heut oder morgen.

komponiert vom lutherischen Stiftsprediger und Probst in Stuttgart, Dr. Balthasar Bidembach (1533-1578). Erstmalig gedruckt im katholischen Paderborner Gesangbuch 1617